Zeitgenössische Kunst in und mit der Natur aus aller Herren Länder zeigt die Kunsthalle Budapest, 27. Juli – 16. Oktober 2016. Inspiration und Rahmen der Kunstwerke sind die Natur, das auf und in der Erde existierende Leben und das Verhältnis zwischen Menschen und Umwelt. Die Grenzen der Kunstgeschichte verschwimmen da bisweilen. Mag die Land-Art ein noch so altes Phänomen sein (siehe etwa Stonehenge), hat sie durch eine eigenständig gewordene Kultur als ein bedeutender Zweig der bildenden Kunst einen eigenen Namen. Naturkunst hängt ebenfalls mit Körper- und Umweltkunst zusammen und ist für weitere Inhaltsbereiche ebenfalls offen. So kann man unsere alltäglichsten Zeichen wie die Spirale oder das Sechseck als Naturwelt verstehen.

„Das Engagement von Künstlern, Wissenschaftlern und politischen Aktivisten, die sich für die Bewusstmachung der so genannten Umweltkrise einsetzen, kündigt seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen geistigen Wandel an. Nicht der Naturzustand wurde abrupt krisenhaft – der Zerfall der Biosphäre geht langsam und kontinuierlich von sich –, sondern wir konnten die Verbreitung einer neuen Weltbetrachtung wahrnehmen. … Damit die Welt sich ändert, müssen wir uns eine andere Welt vorstellen können. Darin erblicke ich eine ausgezeichnete Rolle aller Künste, im konkreten Fall die der Ökoästhetik.“ (András Lányi)

Ist wohl die Jahrhunderte alte Isolation der Menschheit nicht etwa unserem wissenschaftlichen Denken und seinen Begriffen zuzuschreiben, jene Isolation, die in den Künsten erst durch die Rückkehr zur Natur zu durchbrechen war, zuletzt Mitte des 20. Jahrhunderts? Und kann man etwas noch als Kunst bezeichnen, was nicht die ganze Welt mit all ihren Kontexten umfasst?
Die Natur wird durch die Naturkunst nur vorübergehend bereichert (also keine Angst vor „Überbevölkerung“). Mit der Zeit vergehen die Kunstwerke und neue und andere entstehen. Ob aus dem Umgang mit der Natur ein Vertrauen zum Leben erfolgt, das dann die Vergänglichkeit und die darin verborgene Unendlichkeit akzeptiert? Ob wir angesichts der Universalität der Natur fähig sind, hin und wieder ein „Gebet“ oder die Verschönerung eines Bachufers zu wiederholen? Wohl ja, davon zeugen die vergessenen Riten, all die Wissenschaften, die sich mit der naturwissenschaftlichen Archäologie und der Erforschung der Natur befassen, sowie ein breiter Kreis der Humaniora. Und schließlich die Natur selbst, das Phänomen des ewigen Umkreises.

In der Ausstellung sind Arbeiten von Künstlern aus England, Brasilien, Chile, Mexiko, den USA, Deutschland, Belgien, Finnland, Japan, dem Iran, Island, Polen, der Schweiz, der Tschechischen Republik, aus Österreich, Kroatien, Spanien, Neuseeland und Indonesien zu sehen. Die Kunstwerke aus Ungarn sowie aus dem nahen und fernen Ausland – etliche entstehen auch vor Ort – unterscheiden sich allenfalls durch geologische wie regionale Abweichungen; die Arbeiten der Land-Art-Künstler, die Entstehung der Natur verstehen und die Umwelt ergänzen, verbinden im Geflecht der Kulturen Menschliches mit der Natur.
Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Einheiten: In den Sälen „Kleine Gesten“ werden bedeutende Naturkunstwerke der internationalen und ungarischen Gegenwartskunst präsentiert, die Abteilung „Naturbund“ bietet eine ungarische Retrospektive, während die spannende iranische Ausstellungseinheit „Ökoavantgarde“ sich mit dem aktuellen Verhältnis von Kunst und lebendiger Umwelt befasst. Einige der ausstellende Künstler erfreuen sich weltweiter Bekanntheit. Außerhalb der Kunsthalle, und als organischer Bestandteil der Ausstellung sind mehrere Land-Art-Werke im Garten der Kunstgewerbewerkstatt Gödöllő sowie Alois Lindenbauers „Wachsendes Schiff“ im Park des Nádasdy-Schlosses in Nádasladány zu bewundern.

Kuratoren der Ausstellung: John K. Grande (Kanada-Rumänien), Katalin Keserü (Ungarn) und Mahmoud Maktabi (Iran)
Ausstellung und Katalog künden von der in unseren Tagen vergessenen Einheit von Natur und Kunst, Kulturen und Menschen in der Welt.
Kunsthalle Budapest, 27. Juli – 16. Oktober 2016

Foto: Ahmad Nadalian ORDER OF NATURE, Cape Aghulus, South Africa, 2008

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