Bestleistung von Aurelia Florian und Bogdan Mihai in Donizettis Don Pasquale

Mariana Nicolescos Meisterschüler in Bukarest Nationaloper gefeiert

Ein besonderes Ereignis in der Bukarester Nationaloper war die Wiederaufnahme von Gaetano Donizettis Don Pasquale.


 
Das bis auf den letzten Platz gefüllte Haus barste vor Medienvertretern, Kritikern, VIP und augenfällig war die große Anzahl von jungen Besuchern. Letzteres hatte wohl seinen Anlass im Debut der beiden jungen Sänger Aurelia  Florian und Bogdan Mihai, die schon vor kurzem mit ihren Auftritten und der Leistung in „Parisina d’Este” und „Gemma di  Vergy” für Aufsehen gesorgt hatten. Ein gemischtes Publikum -  das schon während der Aufführung Zwischenapplaus gab und bis zum Schluss voller Begeisterung und Bravo-Rufe die Veranstaltung annahm und trug.
 
Die beiden Sänger, die von der berühmten Sopranistin Mariana Nicolesco, einer Persönlichkeit mit künstlerischem Weitblick, per Studium auf  diesen Tag hervorragend vorbereitet worden waren, entwickelten sich zu Stars und den tragenden Figuren des Stücks in der anspruchsvollen Regie von Rares Zaharias, der das  Donizetti-Werk in einer Anspielung auf die Hollywood Welt des Stummfilms inszeniert hatte.
 
Eine Interpretation, die der Allgemeingültigkeit der Vorlage den Transfer in eine moderne, wenn auch vergangene Zeit, recht passend ermöglichte. Und in diesem Ambiente bewegten sich die Aurelia Florian und Bogdan Mihai ausgezeichnet, wurden eins mit der Idee des Regisseurs und so zur Hauptattraktion des Abends.

Norina wird in Gestalt der Sopranistin Aurelia Florian zum Vamp, ironisch und mit köstlichem Humor, mit schlängelnden Bewegungen, prägnant, zum kleinen Teufelchen, theatralisch und agiert mit intelligenter, gestikulierender Aktion wie eine Film-Diva. Sie war der antreibende Motor der gesamten Aufführung und versprühte mit bemerkenswerter Spontaneität  ihren Charme. Bogdan Mihai  steht ihr als Ernesto in poetischer, statischer Figur mit  aufrechtem Gang zur Seite, er strahlt und wirkt romantisch, angenehm ehrlich.
 
Aus stimmlicher Sicht glänzte da Aurelia Florian mit ihrer Musikalität, einer guten Intuition für die Phrase, dem Textverständnis und einer überragenden Aussprache. Ihre Stimme trug weit über einen üblichen Sopran hinaus, sie sang akzentuiert und vollkommen, genau so wie der Regisseur  diese „Film-Figur” haben wollte.
 
Schon im ersten Solo, in dem er sich zunächst aufwärmte, "Sogno soave e casto", erkannte man die Qualitäten von Bogdan Mihai. Er sang kultiviert, mit einer schönen Stimmführung beherrschte er das Legato. Ebenso konnte man hier eine gute Phrasenbildung mit perfekter Akzentuierung, in der grossen Donizetti Tradition, in  der Arie "Cercherò lontana terra" im zweiten Akt erkennen, die übrigens ganz gesungen wurde, eher eine Seltenheit auf allen Bühnen der Welt – eine Herausforderung. 

Bogdan Mihai beherrscht ein Vokal-Instrument extremer Mobilität, mit welchem er "Canto Spianato" oder "Fiorito" sang, entweder "Sillabico" oder "Vocalizzato". Der Höhepunkt kam mit der "Com'è Gentil" Serenade, in  welchem seine authentische "Tenore di Grazia-Stimme" zum Einsatz kam, die raffiniert griff, zart wie ein Hauch, mit Klarheit und Poesie des "Fior di labbra". Und das wirkte im Ernesto und Norina Duett neben einer Aurelia Florian, einer Verliebten, die sich in voller lyrischer Ausdehnung einbrachte.

Aurelia Florian und Bogdan Mihai sind noch sehr jung in der gesanglichen Karriere. Der Erfolg sollte ihnen nicht zu Kopf steigen. Der Weg ist lang und schwierig, Konsolidierung und Studium sind erforderlich, die Ratschläge von Mariana Nicolesco, die eine besondere Gabe im Formen von Künstler besitzt, müssen genauestens befolgt werden. Ich denke, wir werden noch grosse und angenehme Überraschungen von den beiden erleben und vielleicht, auch von anderen, die -möglich und wünschenswert- aus der gleichen meisterhaften Schule kommen.

… (unter Verwendung eines Textes von Costin Popa, La Opera, debuturi in "Don Pasquale", Cultura 04.02.2010)

 

 

 

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